Internationalisierung von Netzwerken und Clustern – aber wie ?
Unternehmen sind heutzutage aufgrund sich stetig wandelnder politischer, ökonomischer, technologischer und sozialer Rahmenbedingungen zunehmend damit konfrontiert, ihre Geschäftsstrategie den veränderten Verhältnissen anpassen zu müssen. Das in diesen Unternehmen benötigte Wissen, die verwendeten Technologien und daraus resultierend die erzeugten Produkte sowie Dienstleistungen spezialisieren sich immer mehr. Diesbezüglich gewinnt das gemeinsame Agieren von Unternehmen mit sich einander komplementierenden Firmen und Institutionen (wie bspw. Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Dienstleistern) immer mehr an Bedeutung. Das Agieren dieser Unternehmen in Netzwerken stellt eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen des globalen Wettbewerbs dar. Durch das kollektive, zielorientierte Kooperieren von unterschiedlichen Akteuren der Wertschöpfungskette können schneller und effektiver Innovationen mit besonders hohem Wertschöpfungspotenzial hervorgebracht werden und darauf basierend Standortvorteile zum Tragen kommen.
Gleichwohl ist eine ausschließliche Konzentration auf den nationalen Wirtschafts-, Technologie- und Forschungsmarkt – sowohl für Unternehmen als auch für Netzwerke – nicht mehr ausreichend. Netzwerke müssen über Regionen- sowie Landesgrenzen hinweg kooperieren, dabei Internationalisierungsstrategien entwickeln und diese konsequent verfolgen,um bei fortschreitender Globalisierung ihre Marktposition aufrecht erhalten und ausbauen zu können.
Das Thema Internationalisierung von Netzwerken und Clustern wird momentan als ein wichtiges innovationspolitisches Thema angesehen, so dass viele Maßnahmen zur Unterstützung von Netzwerken in diesem Kontext diskutiert bzw. implementiert werden. Wenig untersucht wurde aber bisher die Frage, wie die Netzwerke selbst zu diesem Thema stehen. Wichtige Fragen, wie zum Beispiel
• warum Internationalisierung ?
• Verantwortlichkeiten innerhalb der Netzwerke bezüglich dessen Internationalisierung
• dominierende Strategien zur Internationalisierung
• vorherrschende Barrieren und Hemmnisse sowie deren Beseitigung
• prioritäre Finanzierungsmodelle
wurden bisher im wissenschaftlichen Kontext wenig untersucht, höchstens an ausgewählten Fallstudien.
Um ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse, Strategien und Barrieren von Netzwerken im Zusammenhang mit deren aktuellen oder geplanten Internationalisierungsaktivitäten zu bekommen, wurden im Rahmen der BMWi-Initiative Kompetenznetze Deutschland, deren Geschäftsstelle in der VDI/VDE-IT angesiedelt ist, insgesamt 91 Netzwerke aus 10 europäischen Ländern, zumeist vertreten durch deren Netzwerkmanager, zu o. g. Themenkomplexen befragt. Die Studie ist unter http://www.kompetenznetze.de kostenlos verfügbar.
Es zeigte sich, dass nahezu alle befragten Netzwerke die Wichtigkeit einer verstärkten internationalen Ausrichtung und Kooperation erkannt hatten, aber nur rund 10 % eine hierzu passende Strategie entwickelt hatten. Die meisten Netzwerke hatten nur grobe Vorstellung, was zu tun ist. Auch wurde deutlich, dass in der Mehrzahl der Fälle der Netzwerkmanager mit der Internationalisierung seiner Mitglieder nicht beauftragt war. Als prioritäre Barrieren wurden vor allem mangelndes Vertrauen, Angst vor ausländischen Wettbebwerbern, mangelnde Finanzierung sowie fehlende Zeit angegeben.
Fazit: Die Notwendigkeit einer verstärkten internationalen Ausrichtung von regionalen Netzwerken und Clustern steht außer Frage. Es fehlen jedoch aktuell passende innovationspolitische Instrumente, um regionalen Netzwerken auf dem Weg zur Internationalisierung wirksam zu helfen. Klassische, standardisierte Ansätze, wie oftmals in der Vergangenheit vor allem im Rahmen des 5. und 6. Rahmenprogramms der EU verwendet, sind hierfür nicht ausreichend.
Download dieses Artikels sowie der zwei weiteren Beiträge der Ausgabe Dezember 2007 als pdf (1,3 MB)
Dr. Gerd Meier zu Köcker, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH Dr. Gerd Meier zu Köcker übernahm im Mai 2007 die Leitung der Geschäftsstelle Kompetenznetze Deutschland im Auftrag des BMWi. Seit 1995 ist er verstärkt Themenfeld Innovationssysteme und Technologietransfer Aktiv und leitet seit 2000 den Bereich Internationale Technologiekooperationen und Cluster. |
Last modified 20.12.2007 02:19 PM
