September 2015

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

von den einen gefeiert, von den anderen als „deutsche Jahrhundertwette“ kritisiert: Seit die Bundesregierung vor vier Jahren nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss, hat kaum ein Schlagwort die politische Debatte so sehr befeuert wie die Energiewende. Warum eigentlich? Wünschen wir uns nicht alle, dass Kernkraftwerke abgeschaltet und mittel- bis langfristig auch Wege gefunden werden, die Risiken aus einer langjährigen Kernenergiewirtschaft zu beseitigen? Hoffen nicht viele, dass dies gelingt, ohne die Klimaziele zu verfehlen und befürworten deshalb den Ausbau der Versorgung mit alternativen Energien? Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem vergangenen Jahr stehen rund 70 Prozent der Bundesbürger hinter der Energiewende – nach wie vor. Kompliziert wird es hingegen bei der Umsetzung und der Frage, wer wofür bezahlt.

Die Energiewende ist ist eines der größten gesellschaftlichen Projekte der Gegenwart. Fest steht, dass Innovationen darüber entscheiden, wie erfolgreich wir beim Umbau unserer künftigen Energieversorgung sein werden. Doch wie entstehen Innovationen? Welche Rahmenbedingungen müssen wir für Forschung und Entwicklung schaffen, damit aus guten Ideen „grüne“ Innovationen werden? Diesen und weiteren Aspekten widmet sich Dr. Werner Wilke, Geschäftsführer der VDI/VDE-IT, in seinem Beitrag „Die Energiewende braucht Innovationen“.

Während im Jahr 2013 der Anteil von erneuerbaren Energien am jährlichen Stromverbrauch bereits bei 26 Prozent lag, lautet das Ziel für das Jahr 2050 einen Ausbau des Anteils auf 80 Prozent zu erreichen. Dass dies nicht ohne einen umfassenden Umbau der gesamten Energieinfrastruktur möglich ist, liegt auf der Hand. Welche Aufgaben dabei leistungsstarke Kommunikationsnetze in Kombination mit einem hohen Maß an IT-Sicherheit übernehmen, erfahren Sie in dem Beitrag „Smart Grid – das Nervensystem der Energiewende“ von Rainer Moorfeld und Kerstin Reulke.

Ganz konkret und „handfest“ technologisch beleuchtet Marita Wenzel mit ihrem Beitrag „Keine Energiewende ohne Leistungselektronik“, welche Schritte notwendig sind, um das Einspeisen erneuerbarer Energien überhaupt zu ermöglichen und die Energie- und Ressourceneffizienz langfristig zu steigern. Ihr Fokus liegt dabei auf einem ganz besonderen Baustein, der Leistungselektronik.

Eine moderne Energieinfrastruktur und starke Leistungselektronik sind jedoch nur die eine Seite der Medaille. Viel zu häufig vergessen wir, dass bei all den technischen Fragen auch der gesellschaftliche Diskurs über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Dies zeigt u. a. die Diskussion über den Ausbau der Stromtrassen in Deutschland. Konsens? Fehlanzeige! Nur: Wie kann ein gesellschaftlicher Konsens aussehen, der dazu beiträgt, die Energiewende erfolgreich voranzubringen? Welche Aspekte müssen diskutiert werden, damit auch in Zukunft alle Interessen ausreichend berücksichtigt werden? Diesen Fragen geht Tobias Jetzke in seinem Beitrag über eine „Zukunftsorientierte Betrachtung des Energiewende-Diskurses“ auf den Grund.

Wir wünschen eine energie- und spannungsgeladene Lektüre!

Simone Ehrenberg-Silies und Sandra Rohner



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Ausgabe September 2015