Clustertrends in Europa und europäische Clustertrends

Auch wenn Cluster ihre eigentliche Stärke aus der regionalen Nähe ihrer relevanten Akteursgruppen gewinnen, so spielt der europäische Wirtschaftsraum auf der einen Seite und die europäische Clusterpolitik auf der anderen Seite eine zunehmend immer wichtigere Rolle bei der Gestaltung der richtigen Rahmenbedingungen.

Bei einer genaueren Betrachtungsweise lässt sich feststellen, dass sich in Europa langsam ein Paradigmenwechsel sowohl bezogen auf die Clusterentwicklung als auch auf die Clusterförderung vollzieht. Stand in den letzten Jahren der Aufbau und die Entwicklung von Clusterstrukturen in den meisten Mitgliedsländern im Mittelpunkt der jeweiligen nationalen Clusterpolitiken, so fokussieren sich nunmehr mehr und mehr Staaten darauf, die jeweils besten Cluster weiter zu unterstützen. Länder wie Frankreich, Schweden, Norwegen, Ungarn oder Deutschland haben nach unterschiedlichen Verfahren ihre nationalen Champions identifiziert und widmen diesen politisch und finanziell eine besondere Aufmerksamkeit. Neben der Steigerung der Innovationsfähigkeit der Clusterakteure stehen weitere Aspekte, wie die Generierung nachhaltiger Clusterstrukturen, transnationaler Kooperationen oder eine zunehmende Professionalisierung der Clustermanagements im Mittelpunkt der Förderprogrammatiken. Hierbei wird auch deutlich, dass das Management und die Steuerung von Clustern an Bedeutung gewinnen. Die Agglomeration und Kooperationen von Schlüsselakteuren verbunden mit der Bereitstellung entsprechender FuE-Mittel für die gemeinsame Generierung von Innovationen sind eine wichtige Basis, die Hebelwirkung lässt sich durch ein aktives und professionelles Clustermanagement jedoch deutlich steigern.

Auch die Europäische Kommission hat die Wichtigkeit von Clustern als Instrumente zur Wettbewerbs- und Innovationssteigerung entdeckt. Europäische Clusterexzellenz oder die Generierung von sogenannten World-Class-Clustern, sind die Schlagwörter, die auf der Ebene der europäischen Clusterpolitik momentan im Fokus stehen. Hinter diesem Ansatz steckt die Erkenntnis, dass Europa nicht mehr, sondern bessere Cluster braucht.

Aber wie soll dies erreicht werden? Am Geld mangelt es nicht, wenn man sich die verschiedenen Förderprogramme seitens der Europäischen Kommission anschaut. Eher an der Koordination und kohärenten Zielsetzung der clusterspezifischen Förderansätze der einzelnen Generaldirektionen (DG). So stellt DG Regio mit aktuell rund 100 Mio. EUR im Rahmen von INTERREG und Strukturfonds für Innovation und Cluster die meisten Mittel zur Verfügung, zumeist um transnationale Kooperationen zwischen den Akteuren zu fördern.

Dass dieser aktuell praktizierte Ansatz seitens der Europäischen Kommission allein nicht ausreicht, die Exzellenz von Clustern in Europa nachhaltig zu verbessern, hat die European Cluster Policy Group im Rahmen ihrer Empfehlungen verdeutlicht. Hierbei hat die Gruppe folgende zentrale Forderungen bzw. Empfehlungen formuliert:

1. Gezielte Unterstützung bei der Internationalisierung von Clustern

Hier geht es vor allem darum, die Rahmenbedingungen für transnationale Clusterkooperationen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene zu vereinfachen und zu verbessern. Die Bereitstellung besserer Informationen über Cluster in Europa sowie die Entwicklung neuer, bedarfsgerechter Förderansätze im internationalen Kontext stehen im Zentrum der Forderungen.

2. Cluster bei der Entwicklung sogenannter New Industries gezielt nutzen

Die Förderung von Produkten, Technologien und Innovationen in den sog. neuen Industriebereichen läuft gerade auf europäischer Ebene häufig losgelöst vom Clusteransatz ab. Dabei können die Vorzüge, die Cluster zweifelsohne haben, auch für neue Industrien von signifikanter Bedeutung sein. Der gezielte Aufbau von Clustern in sogenannten New Industries könnte helfen, Akteure in diesen Technologiebereichen aktiv zu unterstützen.

3. Clustermanagementexzellenz

Professionelles Clustermanagement und der nachhaltige Aufbau von Clusterstrukturen gelten als wichtige Erfolgsgaranten für die Wettbewerbsfähigkeit von Clustern und deren Akteuren. Die Ausbildung von Clustermanagern sowie die Bereitstellung von Benchmarkinginstrumenten sind nur zwei Beispiele, wie Clustermanagementexzellenz zukünftig gezielt gefördert werden könnte.

4. Verbesserung der Synergien zwischen den verschiedenen Förderinstrumenten der Europäischen Kommission

Die Harmonisierung der Förderansätze der diversen Cluster-Förderprogramme seitens der Europäischen Kommission und deren Vereinfachung sind die zentralen Forderungen. Sofern es gelingt, dass eine DG eine koordinierende Rolle in der zukünftigen Clusterförderung spielt, ist davon auszugehen, dass sowohl eine kohärentere als auch eine effizienterer europäische Clusterförderung realisiert werden kann.

Ob und in welchem Umfang diese Empfehlungen umgesetzt werden können, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Dennoch verdeutlichen die Empfehlungen, wie die internationalen Trends aussehen und wo die Herausforderungen der zukünftigen Clusterförderung in Europa liegen.

 

Dr. Gerd Meier zu Köcker, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
mzk@vdivde-it.de
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Dr. Gerd Meier zu Köcker leitet seit 2000 den Bereich Internationale Technologiekooperationen und Cluster und übernahm im Mai 2007 die Leitung der Geschäftsstelle Kompetenznetze Deutschland im Auftrag des BMWi.