Entwicklungszeiträume zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit

Zwischenbetriebliche Zusammenarbeit wird die Organisationsform der Zukunft, mit der technologischer Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg einer Volkswirtschaft sichergestellt werden können. Ihre unterschiedlichen Ausprägungen (Kooperationen, Joint Venture, Netzwerke, Cluster usw.) sind bewusst gewählte und hinsichtlich der Aufgabenstellung spezifisch gestaltete Formen. Über die verschiedenen Entwicklungsphasen dieser Zusammenarbeit wird geforscht, über die erforderlichen Entwicklungszeiträume ist bisher noch wenig bekannt.

Eine Studie zu Organisationsformen des 21. Jahrhunderts am MIT zeigte, dass „zwischenbetriebliche Zusammenarbeit“ für den technologischen und wirtschaftlichen Erfolg zunehmend wichtig ist. Für die grundsätzliche Entscheidung zur „zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit“ – welcher Intensität und Dauer sie auch sein mag – sind zwei zentrale Fragen zu klären: Welche Organisation eignet sich als Partner und welche Aufgabenteilung kommt infrage? Gemein ist allen Formen überbetrieblicher Zusammenarbeit die bewusste Entscheidung für die Suche nach Partnern, mit denen die gemeinsame Arbeit an spezifischen Zielen verabredet wird, auf Dauer oder auf Zeit, für die Forschung oder zur Marktbearbeitung (vgl. Killich, Luczak, S. 8f und Nitsch, S. 275). Die Entwicklungsphasen solcher zwischenbetrieblicher Formen der Zusammenarbeit werden u. a. anhand von Lebenszyklusmodellen beschrieben, die sich aber hinsichtlich ihrer Ausdifferenzierung unterscheiden (siehe Tabelle, vgl. z. B. Meier zu Köcker, Buhl, S. 31 oder Killich, Luczak, S. 13ff oder Howaldt, Ellerkmann, S. 35ff). Entsprechend beschreibt Klocke (2004) seine Forschung zur Unternehmens- und Netzwerkentwicklung, wobei er eigenständige Unternehmensgründungen, Ausgründungen und Joint Venture unterscheidet. Die Analyse der zeitlichen Abläufe von Entwicklungsphasen stellte er anhand zweier verfügbarer Untersuchungsergebnisse vor, in denen die Zeiträume der einzelnen Entwicklungsphasen von Hightech-Unternehmen gemessen wurden (ebd., S. 9ff).

Die Tabelle stellt eine Synopse verschiedener Lebenszyklusmodelle sowie gegebener Zeitanalysen dar.

Für die in der Literatur unterschiedenen Entwicklungsphasen wurden Zeiträume gemessen, die teilweise große Streuungen aufweisen. Während für die Konzeptions- und Entwicklungsphase relativ konstante Werte (durchschnittlich 4,3 Jahre) gemessen werden, nehmen die Varianzen in den Zeiträumen für die weiteren Phasen sehr stark zu. Diese Varianzen lassen sich durch unterschiedliche Startbedingungen und durch Verzögerungen in der Entwicklung erklären (Klocke, S. 10). Übertragen auf die Entwicklungszeiträume „zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit“ würden demnach hier voll funktionsfähige Prozesse erst nach Ablauf von vier Jahren vorliegen und die vollständige Reifephase diese Formen der Zusammenarbeit auch erst nach mindestens sechs Jahren erlangt sein. Im Kontext wirtschaftspolitischer Überlegungen müssten diese Zeiträume eher kritisch bewertet werden.

Worin liegt dann der Vorteil dieser Zusammenarbeit der Zukunft? Für alle Formen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit gilt, dass die Grenzen der Organisationsstrukturen (beispielsweise von Netzwerken) nach außen weniger geschlossen sind, als das in Einzelorganisation der Fall ist. Sie sind nicht nur in ihrem Aufbau flexibler gestaltbar, weil Partner hinzukommen oder die Verbindung lösen können, sie sind auch hinsichtlich ihrer Ziele und Aufgabenstellungen wandelbarer als Organisationen (vgl. Howaldt, Ellerkmann, S. 43).

Die Befunde legen aber auch nahe, dass die Startbedingungen für die Entwick-lungsverläufe „zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit“ von zentraler Bedeutung sind und besondere Aufmerksamkeit gleich zu Beginn solcher Vorhaben sinnvoll investiert ist.

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Literatur: J. Howaldt, F. Ellerkmann: Entwicklungsphasen von Netzwerken und Unternehmenskooperationen. In: T. Becker et. al. (Hg.): Netzwerkmanagement. Springer, 2007, S. 35-48. W. Kaiser: Regionaler Cluster oder globaler Knoten? In: H. Berghoff, J. Sydow (Hg.): Unternehmerische Netzwerke: eine historische Organisationsform mit Zukunft?, Kohlhammer, 2007, S. 175-195. S. Killich, H. Luczak: Unternehmenskooperationen für kleine und mittelständische Unternehmen, Springer, 2003. B. Klocke: Unternehmens- und Netzwerkentwicklung in High-Tech-Sektoren, Wiesbaden, 2004. G. Meier zu Köcker, C. M. Buhl: Kompetenznetze initiieren und weiterentwickeln, BMWi, 2009. G. Nitzsch: net’swork – eine Lichtung im Dschungel der Netzwerk- und Kooperationswelt. In :T. Becker et. al. (Hg.): Netzwerkmanagement. Springer, 2007, S. 275-281.

 

Sabine Globisch, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
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Sabine Globisch nähert sich den Fragen zur Innovationsfähigkeit von Organisationen gern aus unterschiedlichen Blickwinkeln.