Förderung von Netzwerkprojekten - alles andere als ein Auslaufmodell!
Netzwerke erfreuen sich geradezu konjunktureller Aufmerksamkeit. Fast schon zum politischen Modewort geworden, könnte man meinen, dass statt Lösungen eine Losung mit dem Namen „Netzwerk“ gefunden worden ist. Auf die Förderung des deutschen Mittelstands durch das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) trifft dies aber sicher nicht zu.
Zwar ist der Mittelstand in Deutschland innovativer als in anderen Industrienationen. Jedoch ist zu konstatieren, dass die Innovationsdynamik relativ schwach ausgeprägt ist. So haben die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihre Innovationsaufwendungen in den letzten zehn Jahren – im Gegensatz zu den Großunternehmen – nur wenig ausgeweitet.
Netzwerke sind ein, wenn nicht das probate Mittel, das Innovationspotenzial der KMU zu heben. Oft erst durch die Vernetzung der anwendungsorientierten Forschung und Produktentwicklung der Unternehmen mit der Forschung in Universitäten und anderen Forschungs- und Entwicklungs-(FuE)Einrichtungen werden KMU in die Lage versetzt, komplexe oder interdisziplinäre FuE-Projekte durchzuführen und Forschungsergebnisse rasch in marktfähige Produkte umzusetzen. Dies ist für KMU besonders wichtig, da im Innovationswettbewerb die Anforderungen an die Kompetenz auf dem Gebiet von FuE unaufhörlich steigen. Außerdem vermögen Netzwerke den Nachteil fehlender Marktdurchdringung infolge zu geringer Betriebsgrößen auszugleichen. So können begrenzte Ressourcen für Marketing und Vertrieb kompensiert werden. Durch die Bündelung von Kompetenzen und Ressourcen können sich KMU als Systemanbieter an großen Ausschreibungen beteiligen oder große Kunden akquirieren und sich so neue Märkte erschließen, auch um erfolgreich auf die Globalisierung reagieren zu können. Weiterhin können die Netzwerkteilnehmer durch die Mitarbeit im Netzwerk fachliche Impulse erhalten, die über die eigentliche Zielstellung des Netzwerkes hinausgehen. Die Entwicklung neuer Verfahren und Technologien auf verschiedensten Gebieten hilft den KMU aber nicht nur, sich im marktwirtschaftlichen Wettstreit erfolgreich durchzusetzen, sondern deren Anwendung trägt auch dazu bei, bedeutende gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Nicht zuletzt werden durch Netzwerke Arbeitsplätze nicht nur gesichert, sondern auch geschaffen.
Die Etablierung von Netzwerken bedarf aber der Koordination und häufig auch eines Anstoßes. Hier setzt die Netzwerkförderung an. In den Jahren 2002 bis 2008 unterstützte das BMWi durch das Programm „Netzwerkmanagement-Ost“ (NEMO) erfolgreich den Aufbau innovativer KMU-Netzwerke durch die Förderung sachkompetenter technologie- und betriebswirtschaftlich orientierter Managementdienstleistungen: In den sieben Jahren bis 2008 wurden durch NEMO 200 KMU-Netzwerke in Ostdeutschland angeschoben. Die rund 1.600 darin vereinten KMU haben nachweislich erheblich Wachstumsreserven erschlossen. So schuf jedes Unternehmen im Schnitt 5,8 neue Arbeitsplätze und steigerte seinen Umsatz um 1,5 Mio. Euro. Drei Viertel der NEMO-Netzwerke arbeiten auch nach Ende der Förderung weiter zusammen, was für die Nachhaltigkeit dieses Förderansatzes spricht.
Die 2008 auf Westdeutschland übertragene Förderung von Netzwerkprojekten – nunmehr unter dem Namen ZIM-Netzwerkmanagement und -organisation (NEMO) – wird dort zunehmend genutzt und hat sich zu einem wirkungsvollen regionenübergreifenden Instrument entwickelt2. Nach einer ersten Bilanz wird jeder Förder-Euro innerhalb von drei Jahren nach Projektabschluss einen Umsatz von zwölf Euro generieren. Nach jetzigem Stand ist die ZIM-NEMO Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert.
Auf Grund der großen Nachfrage, der bisherigen positiven Wirkungen bei den beteiligten KMU und insbesondere auf Grund der wirtschaftlichen Folgeeffekte sollte die NEMO-Netzwerkförderung auch über 2013 hinaus mit der gleichen Intensität fortgesetzt und finanziell bedarfsgerecht ausgestattet werden.
Dabei sollte eine noch stärkere Ergänzung der Clusterinitiativen der Länder mit der NEMO-Förderung geprüft werden. Cluster bilden ein ideales Umfeld, um Innovationsprozesse zu beschleunigen, und sind wichtige Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung. Die auf die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Unternehmen angelegte Clusterförderung bietet Spielräume für die Bildung kleinerer innovativer Netzwerke zur Bearbeitung konkreter technisch/technologischer Aufgabenstellungen. Die ZIM-NEMO-Förderung stellt somit eine ideale Ergänzung zur Clusterförderung dar. Zum einen besteht die Möglichkeit, dass sich Netzwerke als „Verästelungen“ innerhalb der Cluster bilden. Zum anderen haben Netzwerke die Chance, sich erfolgreich zu einem Cluster weiterzuentwickeln.
[1] Endbericht zur Fortführung der begleitenden Evaluierung des Förderwettbewerbs „Netzwerkmanagement-Ost“ (NEMO) zum Thema „Untersuchung der Nachhaltigkeit der Förderung“ der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung Berlin (GIB) und des Instituts für Sozialökonomische Strukturanalysen GmbH (SÖSTRA), Berlin 2007
[2] Evaluationsstudie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung Karlsruhe (ISI) in Kooperation mit der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung Berlin (GIB) zum Programmstart und Durchführung des „Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM), Karlsruhe-Berlin 2010
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Ute
Bornschein,
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Ute Bornschein ist Volljuristin und seit 2009 verantwortlich für die Projektleitung der Netzwerkförderung im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand. |
