Netzwerke - Türöffner für internationale Kooperationen

Für kleine und mittlere Unternehmen ist das Streben nach internationalen Innovationskooperationen sehr aufwendig. Solche Unternehmen arbeiten jedoch oft in regionalen Innovationsnetzwerken zusammen, die eine tragende Rolle bei der Anbahnung von Kooperationen spielen können. Deren Netzwerkmanager sind prädestiniert, als Filter und Katalysator bei der Identifikation von Kooperationspotenzialen und als Moderator und Manager bei der Implementierung internationaler Kooperationen agieren zu können.

Weltweit setzen sowohl Wirtschaft selbst, als auch Wirtschaftsförderer immer mehr auf regionale Netzwerke, die als Treiber von Innovationen gelten. Die gezielte Förderung der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette beginnt bereits mit der Forschung und Entwicklung und reicht weit hinein in das kommerzielle Geschäft der beteiligten Akteure. Die nationale und internationale Sichtbarkeit erfolgreicher regionaler Innovationsnetzwerke kann die der einzelnen Netzwerkpartner deutlich übersteigen. Diesen Effekt können die Mitglieder dieser Netzwerke nutzen, um den Zugang zu internationalen Partnern zu initiieren und zu implementieren. Wie kann das Management dieser Netzwerke diesen Internationalisierungsprozess konkret unterstützen? .

Die VDI/VDE-IT veröffentlichte bereits 2007 eine europaweite Studie zum Status der Internationalisierung von Netzwerken (www.kompetenznetze.de/service/bestellservice/medien/kurzstudie_internationalisierung.pdf). Dabei wurden in mehreren europäischen Ländern nur solche Netzwerke mit einbezogen, die die Internationalisierung als eine für sich wichtige Aktivität bezeichnen, insgesamt 91 Netzwerke. Es war bemerkenswert, dass lediglich etwa 10 % der Manager dieser 91 Netzwerke über eine klare Strategie zur Internationalisierung verfügen. Weitere 15 % berichteten im Gegenteil sogar, dass die Zielsetzung für die Internationalisierung völlig unklar sei und demzufolge auch keine klaren strategischen oder operativen Vorstellungen beständen. Oft wurde auch berichtet, dass im Wesentlichen die Mitglieder des Netzwerks selbst, nicht aber das Netzwerkmanagement für das Thema Internationalisierung steht.

2010 wurde die Erhebung in ähnlicher Form wiederholt; die Zahl der Netzwerke mit Internationalisierungsstrategie hat zugenommen (auf knapp 25 %), auch ist das Netzwerkmanagement jetzt selbst stärker für die Internationalisierung verantwortlich. Die Mitgliedsunternehmen der Netzwerke sehen dies positiv in Bezug auf die eigenen Internationalisierungsbestrebungen. Es ist also sinnvoll, die Netzwerkmanager bei ihren Aktivitäten zur Internationalisierung zu unterstützen, da alle Partner des Netzwerks davon profitieren.

Der Netzwerkmanager ist also ein Multiplikator, der die Interessen seiner kleinen und mittleren Mitgliedsunternehmen vertritt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn die Förderprogramme von Bund und Ländern zur Anbahnung von internationalen Aktivitäten in Forschung, Entwicklung, Innovation und Vertrieb/Marketing (Außenwirtschaft) verstärkt Netzwerke und deren Manager im Fokus haben, so wird eine Vielzahl von Unternehmen angesprochen.

Wichtig ist es natürlich, auch in den Zielländern auf eine vergleichbare netzwerkbasierte Struktur zu treffen, in der qualifizierte Institutionen und Personen über entsprechende Kenntnis der Bedürfnisse ihrer regionalen Innovationsakteure verfügen – die dortige Netzwerklandschaft also gut kennen. Um einen Dialog zur Identifizierung von Potenzialen für bilaterale Innovationskooperationen zu beginnen, sollten in den Zielländern Personen bekannt sein, die ähnlich den deutschen Netzwerkmanagern als Multiplikator agieren. Eine genaue Analyse der bestehenden Strukturen in den Zielländern ist also wichtig. Vielleicht sollte sogar der dortige Aufbau von Netzwerken durch Wissenstransfer aus Deutschland unterstützt werden, um anschließend die Kooperationspotenziale voll erschließen zu können.

Für welche Zielländer ist Unterstützung notwendig? Hier sind Länder und Regionen interessant, die einerseits über wichtige wirtschaftliche und forschungsseitige Potenziale verfügen und andererseits aufgrund verschiedener Umstände durch einen einzelnen Netzwerkmanager oder ein einzelnes kleineres Unternehmen nicht ohne weiteres erschlossen werden können. Innovationsfeld- bzw. branchenübergreifende und gleichzeitig aber ziellandspezifische Arbeitsgruppen interessierter Netzwerkmanager könnten helfen, Zielländer zu identifizieren sowie spezifische strategische Pläne zur Erschließung der jeweiligen internationalen Kooperationspotenziale zu erarbeiten und zu implementieren. Ebenso könnten solche Arbeitsgruppen auch sehr zielgerichtet aufzeigen, wie die vorhandenen Angebote verschiedener Ministerien in den Bereichen Außenwirtschaft und Forschungskooperation sinnvoll ergänzt werden können.

Für den nachhaltigen Erfolg ist es am Ende aber entscheidend, dass die von den Multiplikatoren identifizierten bilateralen Kooperationspotenziale auch in und mit den im regionalen Innovationsnetzwerk agierenden kleinen und mittleren Unternehmen in (bilaterale) Projekte umgesetzt werden und die Unternehmen von den Ergebnissen profitieren. Dann haben die Netzwerkmanager ihre Aufgabe erfolgreich erfüllt, indem sie als Scout, Vorbereiter und Katalysator das Entstehen dieser Projekte unterstützt haben.

 

Helmut Kergel, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
helmut.kergel@vdivde-it.de
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Helmut Kergel ist stellvertretender Leiter "Internationale Technologiekooperationen und Cluster" in der VDI/VDE-IT. Er ist verantwortlich für unterschiedliche Projekte zur Internationalisierung von Innovationsnetzwerken.