Netzwerkexzellenz - Mit Unterstützung der Politik?!
Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen Förderboom beim Aufbau von regionalen Netzwerkstrukturen(z. T. auch als Cluster bezeichnet) erlebt. Der Bund und alle Bundesländer hatten dafür eigene netzwerkspezifische Förderprogramme entwickelt. Auf die Etablierungsphase von Netzwerken muss aber nun die Phase der Qualitätssteigerung und Nachhaltigkeit folgen, damit diese auch langfristig hohe positive Effekte für ihre Mitglieder entfalten können. Dies bedeutet aber auch, dass die förderpolitischen Konzepte diese Entwicklungen in neuen Programmatiken berücksichtigen müssen. Ein ausschließliches Fördern nach den bekannten Moda-litäten ist sicherlich möglich, ginge aber am Bedarf existierender Netzwerke vorbei. Eine neue Förderoption könnte die leistungsbezogene, öffentlich-anteilige Finanzierung sein.
Regionale Netzwerke bieten zahlreiche Vorteile (u. a. Standortprofilierung, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, kontinuierliche Innovationsprozesse). Aus diesem Grund wurden seit vielen Jahren verstärkt Netzwerke initiiert. Diese finanzieren sich einerseits ausschließlich privatwirtschaftlich, andererseits wird seit ca. 15 Jahren in der Förderung verstärkt das Instrument „Finanzielle Unterstützung bei der Entwicklung von Netzwerkstrukturen“ zur Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit eingesetzt. Doch allen Netzwerken, ob privatfinanziert oder öffentlich gefördert, ist gemeinsam, dass sie dauerhaft Bestand haben müssen, um positive Effekte zu erzielen.
Jedoch stellen sich Netzwerkeffekte nicht mit dem Gründungszeitpunkt ein. Bei bestimmten Aspekten kann es Jahre dauern, bis die gewünschten Netzwerkziele realisiert werden können. Netzwerke durchlaufen von der Gründung bis zur vollen Leistungsfähigkeit unterschiedliche Entwicklungsphasen. Da die verschiedenen Phasen durch unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte geprägt sind, benötigen Netzwerke spezifische Förderkonzepte. Am Anfang stehen meist die Etablierung von Strukturen, der Prozessaufbau und die Identifizierung von Handlungsschwerpunkten im Fokus. Um dieses zu verwirklichen, ist eine Förderung von Netzwerkmanagements mit (degressiven) Förderquoten eine sinnvolle Maßnahme. In der weiteren Entwicklung gewinnen dann die Managementprofessionalisierung, die Generierung sowie Implementierung von bedarfsgerechten Services und die nachhaltige Ausrichtung der Netzwerkmodalitäten an Bedeutung. Dies sind auch die Phasen, in denen die ersten Wirkmechanismen erfolgreich greifen. Häufig vollzieht sich dieses ab Beginn der zweiten Förderperiode.
Zu diesem Zeitpunkt entsteht ein förderpolitisches Dilemma, denn eine Fortführung der Förderung mit den gleichen Konditionen ist dann eher kontraproduktiv. Die Förderung von Netzwerkstrukturen wird als Anschubfinanzierung gewährt und als ein Ergebnis der ersten Förderphase sollen relativ selbsttragende Strukturen initiiert werden. Dies ist aber eine Utopie, da die Netzwerke zumeist nicht so hohe Mehrwerte generieren können, um sich weitestgehend selbst zu finanzieren. Netzwerke nehmen aber häufig Aufgaben im öffentlichen Interesse wahr, wodurch weniger (Zeit-)Ressourcen für Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft bleiben, um über Dienstleistungen für diese Mitgliedsgruppen die höhere Privatwirtschaftlichkeit zu erreichen.
Doch wie könnte eine neue Förderoption ausgestaltet sein? Die leichteste Variante ist sicherlich eine langfristige institutionelle (Teil-)Förderung von Netzwerken. Somit wäre die Finanzierung der Netzwerkmanagements sichergestellt und die Netzwerke könnten dauerhaft für förderpolitische Maßnahmen genutzt werden. Ist dies aber für die eigentliche Zielsetzung, und zwar für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Akteure die beste Lösung? Agieren langfristig stark geförderte Netzwerke erfolgreicher im Sinne ihrer Mitglieder, wenn sie sich aufgrund der Förderung eben nicht stark am Hauptkunden, den Netzwerkakteuren, orientieren müssen? Das ist definitiv zu bezweifeln!
Besser und effektiver wäre sicherlich, wenn Netzwerke ab Beginn der zweiten Förderphase primär für solche Services eine Finanzierung durch öffentliche Unterstützungsmaßnahmen erhalten, wo es eine öffentliche Mehrwertgenerierung gibt. Dies impliziert aber auch ein leistungs- und akteursgruppenspezifisches Serviceportfolio. Services, welche Forschungseinrichtungen oder Unternehmen hauptsächlich adressieren, sollen dann auch durch diese finanziert werden. Ein Vorteil wäre die dadurch bedingte höhere Finanzierungsdiversifizierung.
Bei einer kontinuierlichen Inanspruchnahme von Serviceleistungen durch öffentliche Akteure wäre zudem ein längerfristiges Förderengagement zu rechtfertigen. Ob dies als Anteilsförderung oder leistungsbezogene Finanzierung realisiert wird, ist eher eine verwaltungstechnische, denn eine inhaltliche Frage. Dadurch erhalten Netzwerke aber eine reale und faire Chance, nachfrageorientiert und nachhaltig zu agieren und vor allem alle relevanten Akteursgruppen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bedarfsgerecht zu unterstützen. Dies ist keine reine Theorie, denn einige Netzwerke aus Europa praktizieren dieses bereits erfolgreich!
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Claudia
Buhl,
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Claudia Martina Buhl ist Politikwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit clusterspezifischen Fragestellungen. Sie analysiert, bewertet und unterstützt die Weiterentwicklung von Clustern und Clusterpolitiken und ist Autorin zahlreicher Publikationen mit Clusterkontext. |
