Februar 2012

Liebe Leserin, liebe Leser,

der Mensch interagiert mit Technik seit der Erfindung des Faustkeils – so der augenzwinkernde Hinweis in Anette Hilberts und Jürgen Bergers Artikel Mensch-Technik-Interaktion: ein Thema mit Perspektive(n).
So könnte man meinen, dass das Thema Mensch-Technik-Interaktion beinahe so alt wie die Menschheit selbst ist. Dies ist auch richtig! Allerdings stellen sich Fragen der Mensch-Technik-Interaktion heute in einer neuen Qualität.
Mit der ständigen Fortentwicklung von Technologien in Feldern wie Autonome Robotik, Kognitive Assistenz- und Kooperationssysteme, Medizintechnik, Adaptive Umgebungen, Neuroprothetik und Sensorik hat sich die Beziehung zwischen Mensch und Technik maßgeblich verändert. Technik ist heute überlebensnotwendig und – unter Umständen - überlebensbedrohlich zugleich. Sie erweitert und schränkt unsere Handlungsmöglichkeiten ein. Sie ist unverzichtbarer Begleiter und verzichtbares Spielzeug. Umso mehr liegt unser Augenmerk heute auf der Schnittstellenverbesserung zwischen Mensch und Technik sowie auf ethischen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für eine effiziente und am Menschen orientierte Technologienutzung.

Diese spannende Ausgangslage ist Anlass genug für den Bereich Mikrosystemtechnik, auf dessen Initiative diese IPS-Ausgabe maßgeblich zurückgeht, Sie gemeinsam mit den Redakteurinnen auf einen Blick hinter die Kulissen der Ideenwerkstatt ‚Mensch-Technik-Interaktion‘ einzuladen. Machen Sie sich selbst ein Bild, wie vielfältig dieses Thema ist und welche Fragestellungen diesbezüglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Haus zurzeit umtreiben.

Kristina Hartwig beleuchtet beispielsweise das Potenzial von Technologien aus dem Bereich Mensch-Technik-Interaktion zur Erhaltung von Gesundheit und Kompensation von körperlichen Funktionsverlusten. Die personalisierte Medizin(-technik) zählt heute zu einem der dominierenden Trendthemen in der Gesundheitswirtschaft. Um jedoch den vielen unbeantworteten Fragen – z.B. mit Blick auf den Datenschutz - zu begegnen, empfiehlt sie Kriterien für die Evaluation eines outcome-bezogenen Nutzen von Technologien zu entwickeln.
Lesen Sie im Artikel von Monika Huber, wie schwierig es ist, allgemein gültige Regeln dafür aufzustellen, wer die Letztentscheidungskompetenz in der Beziehung zwischen Mensch und Technik haben soll. Diese uneingeschränkt dem Menschen zuzuschreiben, erscheint angesichts jüngster Katastrophen - wie der Havarie des Kreuzfahrschiffes Costa Concordia - ambivalent. Kristian Döbrich ist der Auffassung, dass die Verbesserung von Mensch-Technik-Schnittstellen, also ein besseres „Verständnis“ der Technik von menschlichen Handlungs- und Denkweisen, vor allem im Bereich sicherheitskritischer Technologien notwendig ist. Katrin Gaßner und Matthias Seydack machen sich Gedanken über eine sinnvolle Verknüpfung von Technologien und der Entwicklung neuartiger Mensch-Maschine-Schnittstellen zur ressourcenschonenden Optimierung von Mobilitätsketten und zum effizienteren Umgang mit Energie und Ressourcen. Andi Winterboer wirft in seinem Artikel einen kritischen Blick auf die jüngsten Entwicklungen im Feld der Sprach-, Gesten- und Bewegungsschnittstellen und plädiert dafür, dass bei der Schnittstellenentwicklung stärker auf deren Kompatibilität mit sozialen Kontexten geachtet werden solle. Lutz-Günter John lädt uns auf eine Reise in die Zukunft ein, in der wir uns mit Robotern in gleichen Räumen bewegen, und erklärt, weshalb wir heute aus gutem Grund meistens in strikt voneinander getrennten Sphären leben und arbeiten. Dass wir uns heute schon Gedanken darüber machen müssen, welche haftungs-, versicherungs-, daten- und arbeitsschutzrechtlichen Fragen auf uns zukommen, wenn Roboter und autonome Systeme mehr und mehr von uns genutzt werden, ist wiederum ein zentrales Anliegen Alfons Botthofs.

Gemeinsam mit dem Bereich MST wünschen wir Ihnen nun eine anregende Lektüre und
freuen uns auf Ihre Anmerkungen und Ideen!


Simone Ehrenberg-Silies und Sandra Rohner



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Ausgabe Februar 2012