Förderung von Innovation und Technologietransfer im südlichen Afrika - Neue Konzepte sind gefragt
Innovation und Technologietransfer werden von Schwellen- und Entwicklungsländern auch auf dem afrikanischen Kontinent zunehmend als Instrument zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften erkannt. Viele dieser Länder haben entsprechende nationale Innovationsstrategien entwickelt, die sie mit unterschiedlicher Konsequenz in die Praxis umsetzen. Gleichzeitig zeigt die Realität jedoch, dass von einer nachhaltigen Implementierung kaum die Rede sein kann, wenn man von positiven Ausnahmen, wie Südafrika, Namibia oder einigen Mittelmeer-Anrainerstaaten absieht. Vor allem die Länder des südlichen Afrikas tun sich nach wie vor schwer.
Wesentliche Ursachen für dieses Problem liegen neben einer mangelnden Forschungsinfrastruktur oder einer unzulänglichen Qualität des Bildungssystems vor allem in den innovationssystemrelevanten Rahmenbedingungen. Als wichtigste Barrieren für die Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfeldes werden von lokalen Experten vor allem die folgenden genannt:
- Nationale Forschungs- und Innovationspolitiken werden in der Regel ohne Vertreter des privaten Sektors formuliert, nicht veröffentlicht und auch nicht nachhaltig implementiert.
- Staatliche Anreizsysteme für Wissenschaft und Forschung in diesen Ländern fehlen.
- Anreizsysteme für die Unternehmen, Forschung über Steuerreduzierung zu finanzieren existieren partiell, haben sich aber in der Praxis nicht bewährt.
- Wesentliche Akteure der nationalen Innovationssysteme sind zwar partiell vorhanden, sind sich aber ihrer eigentlichen Aufgaben nicht bewusst; sie besitzen keine adäquate personelle gerätetechnische Ausstattung und kommen ihren Aufgaben nicht ausreichend nach.
- Da die primäre Zielgruppe der KMU mehr mit ihrem täglichen Überleben zu tun hat als sich um Aspekte der Innovation zu kümmern, ist die prioritäre Zielgruppe in vielen Ländern gering.
- Politische Vertreter haben oftmals eine völlig falsche Vorstellung von Innovation und Technologietransfer. Es fehlt auch wesentliches Know-how und praktische Erfahrung in der Umsetzung.
Die Bundesregierung steht aktuell vor der Herausforderung, einen ganzheitlichen Ansatz bezüglich zukünftiger FuE-Kooperationen mit den afrikanischen Staaten zu verfolgen. Andererseits wird aber deutlich, dass die Mehrzahl der Staaten des südlichen Afrikas aufgrund der Unterentwicklung ihrer nationalen Innovationssysteme kaum ein adäquater Partner für nachhaltige FuE-Kooperationen mit deutschen Forschungseinrichtungen und Unternehmen ist. Gleichwohl erscheint es aber nicht sinnvoll und auch mit der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung nicht vereinbar zu sein, den Großteil der Staaten des afrikanischen Kontinentes „zu ignorieren“. Was also ist aus Sicht Deutschlands tun?
Um diese Frage beantworten zu können, lohnt es sich, von der Regierung in Südafrika zu lernen. Diese musste sich in der Vergangenheit dieser Herausforderung stellen, da es sich bei den hier gemeinten Staaten um die Nachbarn Südafrikas handelt. An gemeinsame Forschung und Entwicklung war nicht zu denken, dazu waren die Ausgangsvoraussetzungen zu unterschiedlich. Schulungs- und Trainingsaktivitäten wurden bereits von vielen Drittmittelgebern finanziert und zeigten nur wenig Nachhaltigkeit. Als Konsequenz hat die südafrikanische Regierung in den letzten Jahren sehr erfolgreich einen Dialog zu Innovation und Technologietransfer begonnen. Dieser trifft auf allen Seiten auf ein hohes Interesse, da er nachfrageorientiert strukturiert ist, die Innovationssysteme der Staaten des südlichen Afrikas nicht überfordert und in keine kostspieligen FuE-Projekte mündet, die für keinen der beteiligten Staaten finanzierbar wären. Durch den Dialog werden die ärmeren Staaten ernst genommen und erhalten eine Plattform, um sich zu artikulieren und auszutauschen. Daher wird dieser Dialog auch nicht als Instrument der Entwicklungshilfe verstanden, bei dem die Staaten des südlichen Afrikas oftmals als Bittsteller angesehen werden.
Es ist zu begrüßen, dass das BMBF diesen Ansatz zur Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung nunmehr erstmals aufgenommen hat. Im Rahmen des Projektes ,,Technology Transfer and Capacity Building" (TTCDP) werden 14 Staaten des südlichen Afrikas eingeladen, sich an einem längerfristigen Dialog zu Innovation und Technologietransfer zu beteiligen. Mit diesem neuartigen Instrument sollen neue Wege in der Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung mit Schwellen- und Entwicklungsländern erprobt werden. Dies scheint auch zwingend notwendig, da die bisherigen Ansätze in der bilateralen Zusammenarbeit in Technologie und Innovation selten befriedigend waren. Die Einbindung Südafrikas als aktiven und gleichwertigen Partner zeigt, dass die deutsche Seite willens ist, von Südafrika zu lernen, wie eine bilaterale Zusammenarbeit im Bereich von Technologie und Innovation mit wenig entwickelten Staaten funktionieren kann, vor allem in methodischer Hinsicht. Ein neuer und erfolgversprechender Ansatz, war es doch bisher eher umgekehrt, wenn europäische Staaten in Projekte mit vergleichbaren Ländern involviert waren. Nun werden die Themen und Inhalte von den Partnerländern vorgeschlagen und gemeinsam umgesetzt. Hoffentlich gelingt es so, bedarfsorientierte Innovationspolitik und Technologietransfer für diese Länder machbar zu gestalten, um die Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Unternehmen und den Wohlstand in den Ländern mittel- bis langfristig zu verbessern.
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Dr. Gerd Meier zu Köcker, Institut für Innovation + Technik in der VDIVDE-IT GmbH
Dr. Gerd Meier zu Köcker ist seit 1995 Experte für die Themenfelder Innovationssysteme und Technologietransfer. Aktuell führt er mehrere Projekte in Afrika durch und kennt die Erfolgsfaktoren für Kooperationen und Technologietransfer vor Ort. |
Last modified 28.10.2009 10:10 AM
