Mikroelektronik-Forschung ist kein nettes Extra, sondern eine Standortversicherung. Wer Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland und Europa ernst nimmt, muss Forschung in Mikroelektronik als strategische Infrastruktur behandeln – dauerhaft, verlässlich und mit klarem Transferpfad in die industrielle Anwendung.
Denn wenn wir in Deutschland über Resilienz sprechen, geht es längst nicht mehr nur um Energie oder Rohstoffe. Mikroelektronik ist das Betriebssystem unserer Industrie. Ohne Mikrochips stehen Autos, Maschinenbau, Medizintechnik, Energienetze, Telekommunikation und Verteidigung schneller still, als uns lieb ist. Die Lieferkettenkrisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie hart ein Engpass in der Halbleiterwelt auf Produktion und Auftragsbestände durchschlägt, gerade in der deutschen Industrie.
Deutschland hat hier eine besondere Verantwortung und Chance zugleich: Deutschland ist der größte Mikroelektronikstandort der EU und stellt rund 30 Prozent der europäischen Waferkapazitäten – also die Grundlage für erfolgreiche Chipproduktion. Das ist kein Prestige, sondern Hebelwirkung. Jeder Prozentpunkt, den wir technologisch und kapazitiv verlieren, erhöht Europas Abhängigkeit in einem Markt, der geopolitisch längst als strategische Ressource behandelt wird.
Entscheidend ist aber nicht nur mehr Fertigung, sondern der Dreiklang aus Forschung, Transfer und Produktion. Gerade Forschung schafft die Souveränität, die sich nicht einfach einkaufen lässt: neue Materialien, energieeffiziente Leistungselektronik, zuverlässige Chips für kritische Infrastrukturen und Packaging/Integration als nächster Engpass nach dem Wafer. Hier wird Forschung zur Industriepolitik im besten Sinne: Sie verkürzt die Zeit von der Idee zur Pilotlinie und macht Europa attraktiv für Investitionen entlang der Wertschöpfung.
Die Bundesregierung und die EU setzen dafür zunehmend auf Forschungsinfrastrukturen: Die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) wird explizit als technologische Basis zur Unterstützung des European Chips Act positioniert – von Design bis Prototypen. Gleichzeitig entsteht in Dresden mit der Smart Power Fab ein weiterer großer europäischer Fertigungsschwerpunkt für Halbleiter.
Trotzdem dürfen wir uns nichts vormachen: Selbst EU-Institutionen warnen, dass Tempo, Investitionshebel und Umsetzung nicht automatisch reichen, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Umso mehr kommt es auf erfolgreiche deutsche Forschungsarbeit an: Sie entscheidet, ob Deutschland nur ein wichtiger Produktionsstandort bleibt – oder ob wir die Technologien definieren, die morgen weltweit nachgefragt werden.