Titelbild Medizintechnik 4

Stimulation mittels fokussiertem Ultraschall (FUS) bezeichnet eine nicht-invasive Technik, bei der gebündelte Ultraschallwellen auf spezifische neuronale Strukturen gerichtet werden, um deren Aktivität zu beeinflussen. Je nach verwendeter Intensität und Pulsdauer kann dadurch eine Neuromodulation (Stimulation von Nervengewebe) oder auch eine Neuroablation (Verödung von Nervengewebe) erzielt werden. Präklinische und erste klinische Daten deuten darauf hin, dass sich mittels FUS Schmerzsignale modulieren lassen, ohne dass ein chirurgischer Eingriff notwendig ist. Die Daten sind aber noch begrenzt und es sind weitere Untersuchungen notwendig. 

Im Idealfall könnte mit der FUS-Methode ein neuer therapeutischer Ansatz entstehen, der im Gegensatz zu pharmazeutischen oder implantierbaren Verfahren unmittelbarer auf die neuronale Verarbeitung abzielt und zugleich potenziell weniger Nebenwirkungen verursacht. Von besonderer Relevanz ist dies, weil chronische Schmerzen erhebliche volkswirtschaftliche Belastungen verursachen, unter anderem durch Arbeitsausfälle und hohe Behandlungskosten. Für Patientinnen und Patienten würde eine FUS-basierte Schmerztherapie eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten, weil sie nicht invasiv ist, den Einsatz von Medikamenten reduziert und ambulant angewendet werden könnte. 

Der technologische Reifegrad von FUS steigt international kontinuierlich, jedoch bestehen noch Lücken bei der klinischen Implementierung solcher Systeme. Förderpolitisch ergeben sich daraus Chancen, um Forschung, Translation und Regulation gezielt zu stärken. Eine frühzeitige Unterstützung könnte dazu beitragen, technologische Abhängigkeit in der medizinischen Anwendung von FUS zu reduzieren und gleichzeitig ein innovationsfreundliches Umfeld für neue Behandlungsmethoden im Bereich der Schmerztherapie zu schaffen.

Diese Publikation ist Teil unseres Dossiers Medizintechnik: Künstliche Intelligenz und digitale Innovationen in der Praxis.