Das Thema Sicherheit ist fester Bestandteil der öffentlichen und politischen Debatte. Wir beschäftigen uns als Projektträger bereits seit über einem Jahr intensiv mit dem Thema „New Defence“. Denn wir glauben: Verteidigungsfähigkeit entsteht nicht allein im Verteidigungsministerium, sondern ist eine Querschnittsaufgabe.
Aus innovationspolitischer Perspektive wollen wir einen Beitrag für ein sicheres Deutschland und Europa leisten. Dafür haben wir bereits drei Papiere vorgelegt und gehen immer wieder mit Expert:innen aus Forschung, Industrie und Politik in den Austausch.
Fünf Punkte sind für uns besonders relevant:
- 1. New Defence bedeutet Preparedness auf allen Ebenen
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New Defence ist Teil eines umfassenden Ansatzes, der militärische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der Verteidigungsfähigkeit („Systemische Preparedness“) integriert und auf Resilienz und Anpassungsfähigkeit abzielt. Dabei wird Verteidigung als Querschnittsaufgabe gesehen, die politisch über Ressortgrenzen hinweg gedacht, wirtschaftlich in ein dynamisches Innovationsökosystem eingebettet und gesellschaftlich in gemeinschaftlichen, demokratischen Werten verankert ist. Im Fokus stehen wirtschaftliche Souveränität und ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt.
- 2. Zivile und militärischer Forschung und Entwicklung müssen stärker zusammenarbeiten
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Die Verteidigungsbranche muss schnell dynamisiert werden. Das funktioniert nur, wenn wir Innovationsökosystem stärker öffnen und ausbauen und damit die Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Forschung und Entwicklung weiter fördern. Ohne systematischen Austausch drohen technologische Potenziale vieler sicherheitsrelevanter Schlüsseltechnologien für die militärische Nutzung unterentwickelt zu bleiben. Die Streitkräfte fallen so hinter der Innovationsdynamik zurück.
Eine bessere Verzahnung beschleunigt den Technologietransfer, reduziert Doppelstrukturen und ermöglicht es, bestehende industrielle und wissenschaftliche Kompetenzen effizient für die Verteidigungsfähigkeit zu nutzen.
- 3. Dual Use ist der Schlüssel für die Verteidigungsfähigkeit
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Organisatorische und prozessuale Doppelstrukturen, die sich parallel im zivilen und militärischen Bereich etablieren, sind auf Dauer nicht tragfähig. Sie verhindern die Nutzung von Synergien und bremsen die Innovationskraft. Die gezielte Förderung von Dual-Use-Technologien ist somit essenziell, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Dual Use-Strategien verkürzen Innovationszyklen und agieren als Katalysator für Wissens- und Technologietransfer. Sie ermöglichen außerdem wirtschaftliche Skaleneffekte und öffnen neue Märkte für Unternehmen.
- 4. Unsere Clusterlandschaft bietet die Struktur für Dual Use-Lösungen
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Deutschland besitzt schon heute eine leistungsstarke und agile Clusterlandschaft. Um Doppelstrukturen zu vermeiden und die Geschwindigkeit zu erhöhen, sollten wir bei der Etablierung von Dual Use-Strategien auf dieser aufbauen. Denn: Regionale Netzwerke und Kooperationsstrukturen erleichtern den horizontalen und vertikalen Austausch und damit auch den Technologietransfer sowie den Zugang in den Verteidigungsbereich für neue Akteure.
Um das Potenzial von bestehenden Clustern für Dual Use zu nutzen, müssen wir weg von der punktuellen Förderlogik hin zu einer gezielt gesteuerten Industriepolitik, die eine umfassende Förderung des gesamten Innovationssystems in den Blick nimmt. Davon profitiert auch die Wirtschaft: Durch die Nutzung und den Ausbau bereits bestehender Clusterstrukturen können Regionen langfristig wirtschaftlich stabilisiert oder auch neu entwickelt werden.
- 5. Beschaffungs- und Entwicklungsprozess benötigen mehr Flexibilität und Agilität
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Die Beschaffungspolitik muss flexibler werden, um kurzfristig auf neue Technologien reagieren und zivile Innovationen in militärische Anwendungen integrieren zu können. Denn: Bei neuen, agilen, teilautonomen und massenhaft produzierten Verteidigungssystemen können Kosten-, Verfügbarkeits- und Innovationspotenziale vergleichsweise einfach realisiert werden.
Um dieses Ziel zu erreichen benötigen wir unter anderem mehr von den entsprechenden Test- und Reallaboren. In diesen werden neue Technologien schnell einsatznah erprobt, Feedback gesammelt und so Innovationszyklen verkürzt. Dieser Ansatz kann außerdem die Sichtbarkeit von Startups erhöhen und so eine Barriere für innovative Akteure im Ökosystem abbauen.