Gender Data Gap in der Mobilität: Warum bessere Daten bessere Entscheidungen bedeuten

In der Mobilitätsforschung sind gendergerechte Perspektiven gefragt. Damit werden Entscheidungen, Produkte und städtische Infrastruktur inklusiver und zukunftsfähiger gestaltet.

Frau leiht sich per Smartphone-App ein Leihfahrrad aus, Sinnbild für geschlechtsspezifische Datenerhebung im Bereich urbaner Mobilität

AdobeStock/Dron

Das Frauennetzwerk Women for Datadriven Mobility (wDRIVE) ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) und Teil der Begleitforschung mPACT, die ein Team der VDI/VDE-IT umsetzt. mPACT begleitet die vom BMV geförderten Projekten in der Förderinitiative mFUND, stärkt ihre projektübergreifende Kommunikation und setzt Impulse für wissenschaftliche und politische Diskussionen.

wDRIVE vernetzt Frauen aus mFUND-Projekten, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung und schafft in verschiedenen Formaten Räume für den fachlichen Austausch, Sichtbarkeit und gegenseitige Unterstützung. Ziel ist es, weibliche Expertise im Mobilitätssektor stärker sichtbar zu machen und den Frauenanteil langfristig zu erhöhen.

Gleichzeitig versteht sich das Netzwerk als Impulsgeber für zentrale fachliche und förderpolitische Debatten. wDRIVE sensibilisiert Forschungs- und Förderprojekte für bestehende Ungleichgewichte – etwa im Kontext gendergerechter Mobilität und des Gender Data Gap – und wirkt darauf hin, dass diese Aspekte in Programmen und Projekten frühzeitig und systematisch mitgedacht werden.

Mehr Daten für ausgewogenere Entscheidungen

Der Gender Data Gap beschreibt systematische Verzerrungen in Datensätzen, die entstehen, weil viele erhobene und genutzte Daten überwiegend Männer als Norm betrachten und dadurch bestimmte Lebensrealitäten unzureichend abbilden.

In der Mobilität zeigt sich das besonders deutlich: Frauen leisten häufiger Care-Arbeit und legen daher eher kürzere, verknüpfte Wege in Wohnortnähe zurück. Sie sind stärker auf gute Fuß- und Radwege und auf ein funktionierendes multimodales Verkehrssystem angewiesen. Da viele Erhebungsmethoden und Planungsmodelle noch immer vor allem den linearen Pendelweg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz abbilden und dadurch die vielfältigeren Bewegungsmuster von Frauen seltener erfasst werden, entstehen Datengrundlagen, die Frauen in Infrastrukturplanung, Sicherheitskonzepten oder digitalen Anwendungen benachteiligen können.

Repräsentanz von Frauen in Forschungsperspektiven stärken

Strukturell verstärkt wird dieses Problem durch die geringe Repräsentanz von Frauen im Mobilitätssektor. Laut Europäischem Mobilitätsatlas 2021 liegt der Frauenanteil EU-weit bei 22 Prozent; in mFUND-Projekten liegt er auf Leitungsebene sogar nur bei 16 Prozent. Perspektiven, die für eine vielfältige und alltagstaugliche Mobilität zentral sind, fließen dadurch seltener systematisch in Forschungs- und Entwicklungsprozesse ein.

78%
22%
Total Transport
Sector
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84%
16%
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Projektleitung

Frauenanteil im Mobilitätssektor (EU: 22 %) und in Leitungen von mFUND-Projekten (16 %) – ein strukturelles Ungleichgewicht.

wDRIVE hat das Thema 2025 in Tagungen, Podiumsdiskussionen und digitalen Mittagsgesprächen (sogenannten Lunch Talks) aufgegriffen und gemeinsam mit Expertinnen konkrete Lösungsansätze diskutiert: von der personenbezogenen statt haushaltsbezogenen Datenerhebung über die stärkere Berücksichtigung von Sorgearbeit und Sicherheitsaspekten bis hin zu zielgruppengerechten Auswertungen.

Ein zentrales Ergebnis ist der Leitfaden: „Datenlücken vermeiden – für inklusives Forschen“. Er zeigt, wie Datenlücken vorgebeugt werden können, um KI-Modelle, Produktdesigns oder stadtplanerischen Entscheidungen zu vermeiden, die nicht für alle funktionieren. Eine Checkliste gibt Anregungen für die Datenerhebung, -auswertung und -interpretation.

Mehr Informationen

„Datenlücken vermeiden – für inklusives Forschen“

Dr. Katja Karrer-Gauß

Leiterin des Frauennetzwerks

Daten sind Grundlage für die Gestaltung von Mobilitätsinnovationen, doch ohne Vielfalt entstehen hier blinde Flecken. Mit wDRIVE zeigen wir, wie wichtig es ist, weibliche Perspektiven gleichberechtigt in Planungs- und Entwicklungsprozesse einzubeziehen, Datenlücken zu schließen und Innovation so zu gestalten, dass sie allen zugutekommt.