Gesundheitsämter als Vorreiter der Digitalisierung in der Verwaltung

Voll digitalisierte Gesundheitsämter – das ist eines der Ziele der Förderinitiative „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)“, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) noch bis Ende des Jahres 2026 mit den EU-Fördermitteln „NextGenerationEU“ im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) umsetzt. Innerhalb des Programms betreut das Team der VDI/VDE-IT als Projektträger im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums fast 500 Förderprojekte deutschlandweit.

Team betrachtet Datenauswertungen und Diagramme auf einem großen Bildschirm im Büro, Sinnbild für digitale Vorreiterrollen in der Verwaltung von Gesundheitsämtern

AdobeStock/Gorodenkoff

Modellprojekte erarbeiten digitale Lösungen
Darunter die hessische Landesmaßnahme „GA-Lotse“: Hier entwickelt das Gesundheitsamt Frankfurt am Main zurzeit eine einheitliche Software für alle hessischen Gesundheitsämter. Sie ermöglicht den mehrstufig abgesicherten Austausch von Gesundheitsdaten über Ämter-, Fach- und Bundesländergrenzen hinweg. Die als Open Source entwickelte Software setzt sich aus verschiedenen Modulen zusammen, mit denen sich zahlreiche Anwendungen der Gesundheitsämter umsetzen lassen. Die Gesamtlösung besteht aus einem Basismodul und verschiedenen Fachmodulen, die die Anforderungen der jeweiligen Fachabteilungen erfüllen. Gleichzeitig ermöglicht die Software eine überregionale Vernetzung und interne Kommunikation. So erleichtert sie nicht nur die Arbeit der Mitarbeitenden verschiedener Abteilungen innerhalb der Gesundheitsämter, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen den Ämtern. Die Softwarelösung erhielt im Jahr 2025 mehrere Auszeichnungen wie etwa den InfoSec Impact Award 2025 für IT-Sicherheitslösungen oder die Auszeichnung innerhalb des Open Source Wettbewerbs 2025. Was im Jahr 2022 als hessische Initiative begann, soll nun auch bundesweit ausgerollt werden.

ÖGD-Digitalisierung: GA-Lotse der Stadt Frankfurt am Main

Mit einer Software für vielfältige Anwendungen und alle Gesundheitsämter in die digitale Zukunft: Seit 2022 wird unter der Leitung der Abteilung Digitale Zukunft, IT und strategische Planung im Gesundheitsamt Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege an dem Projekt GA Lotse, der einheitlichen Software für die hessischen Gesundheitsämter, gearbeitet. Das Projekt wird durch die Entscheidung des Bundes für die Digitalisierung der Gesundheitsämter und mit den EU-Fördermitteln „nextGenerationEU“ umgesetzt.

Alltagslösungen für Bürgerinnen und Bürger sowie die Mitarbeitenden

Aber auch das in Bayern entwickelte Bürgerportal gesundheitsamt.bayern findet bundesweit Anklang: Es ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, online Anträge zu stellen, Dokumente hochzuladen, Termine zu vereinbaren und direkt mit ihrem Gesundheitsamt zu kommunizieren.

Das Netzwerk vereinfacht jedoch nicht nur den Online-Zugang zu behördlichen Leistungen, sondern erleichtert gleichzeitig den Mitarbeitenden der Gesundheitsämter Services wie Antragsbearbeitungen oder Kundenkommunikation. Das System ist offen für die Mitnutzung durch andere Bundesländer und Kommunen. Neben einer Kooperation mit Baden-Württemberg hat inzwischen auch Berlin Interesse an einer Kooperation signalisiert.

Portrait Tatjana Heinen-Kammerer

Dr. Tatjana Heinen-Kammerer

Projektleiterin

Die Gesundheitsämter müssen Möglichkeiten zu medienbruchfreiem Arbeiten erhalten und besser vernetzt sein – untereinander, aber auch mit anderen Institutionen des Öffentlichen Gesundheitsdiensts wie dem Robert-Koch-Institut, weiteren Akteuren im Gesundheitswesen und natürlich auch den Bürgerinnen und Bürgern. Dazu tragen wir mit unserer Arbeit bei.