Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre prägen zunehmend die Arbeit unserer Zukunftsforscherinnen und -forscher. Im Auftrag des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) haben sie in der TA-Kompakt-Studie „Seltene Erden – die Versorgungslage unter Berücksichtigung geopolitischer Risiken und der Fortschritte beim Recycling sowie der Etablierung einer Kreislaufwirtschaft“ mithilfe von Desktop-Research, Interviews und Szenariotechnik analysiert, wie sich die Versorgungslage mit seltenen Erden bis 2035 entwickeln könnte.

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Die Studie zeigt, dass der Weg zu mehr Rohstoffsouveränität über Bergbauprojekte außerhalb Chinas lang und steinig sein könnte. Mittelfristig wirksamer sind hingegen Recycling, Kreislaufstrategien, Substitution und der Aufbau einer Reserve von seltenen Erden.
Windräder, Elektro- und Hybridfahrzeuge, Festplatten, Lautsprecher, Kernspintomografen, moderne Militärtechnologie – sie alle benötigen Permanentmagnete aus seltenen Erden. Inzwischen dominiert China die gesamte Wertschöpfungskette: 70 Prozent der weltweit abgebauten Menge seltener Erden stammen aus dem Land, in dem auch 90 Prozent der weltweiten Wertschöpfung bezogen auf Raffination bzw. Weiterverarbeitung stattfinden. Auch beim Recycling ist China international vorn.
Was das in der neuen multipolaren Weltordnung bedeutet, haben die Exportkontrollen gezeigt, die China seit 2023 in unterschiedlicher Form verhängt: Um mit seltenen Erden aus China beliefert zu werden, müssen Unternehmen der chinesischen Regierung teilweise weitreichende Einblicke in Geschäftsgeheimnisse und Kundenstruktur geben. Klar ist: Chinas Vormachtstellung in der Wertschöpfungskette wird auch in den nächsten 10 Jahren fortbestehen.
Aber Europa ist nicht machtlos: Das Szenario „Proaktive Souveränitätswende“ aus der TA-Kompakt-Studie zeigt auf, wie mehr Unabhängigkeit gelingen könnte: Die EU setzt in diesem Szenario auf seltene Erden, die sich bereits im Binnenmarkt befinden – sowohl in Form von Reserven als auch in Form von seltenen Erden, die in ausgedienten Produkten verbaut sind. Zudem investiert sie in die Substitutionsforschung. Und sie denkt bereits für die nächsten Dekaden voraus, indem sie sich an zukünftigen Bergbauprojekten beteiligt und sich dadurch geopolitische Gestaltungsspielräume eröffnet.
Seit dem Jahr 2013 betreiben wir im TAB das Horizon Scanning, um zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen dabei softwaregestützte Methoden ein, um Signale zu identifizieren, die Aufschluss darüber geben, welche Themen für Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung in den kommenden Jahren besonders relevant werden.

