Bereits im Jahr 2019 beschloss die Landesregierung die Strategie „Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“. 2024 erfolgte die Fortschreibung der Strategie bis zum Jahr 2029, darauf ausgerichtet, den baden-württembergischen Unternehmen in diesem Bereich zukunftsfähige Diversifizierungs- und Entwicklungschancen zu eröffnen.

AdobeStock/ HockleyMedia
Teil der Strategie ist die gezielte Förderung von Unternehmen, die Grundlagenwissen von der Forschung in die Anwendung bringen. Ein besonderer Fokus richtet sich dabei auf die Implementierung und Skalierung von Entwicklungen, die in wirtschaftlich nutzbare Lösungen überführt werden können. Mit dieser Strategie hat sich Baden-Württemberg in den letzten zehn Jahren zu einer der weltweit führenden Regionen im Bereich der nachhaltigen Bioökonomie entwickelt.
Mehr Nachhaltigkeit bei der Lebensmittelproduktion
Das derzeit geförderte Vorhaben „ZirkularPro“ illustriert eines der vielen wirtschaftlichen Potenziale, die im Bereich der Bioökonomie liegen, eindrücklich: Ziel des Projekts ist es, ein flexibles Verfahren weiterzuentwickeln, mit dem mithilfe von Mikroorganismen wertvolle „funktionalisierte“ Eiweiße für Lebensmittel hergestellt werden können. Funktionalisierung bedeutet in diesem Kontext, dass die hergestellten Eiweiße exakt tierischen Eiweißen entsprechen, obwohl sie aus pflanzlichen Quellen hergestellt werden. Es handelt sich also nicht um „Ersatzeiweiße“, sondern um chemisch und physikalisch identische Moleküle. Die dafür eingesetzten Mikroorganismen werden so angepasst, dass sie gezielt bestimmte Eiweiße produzieren, die auch in bekannten Lebensmitteln vorkommen, zum Beispiel in Milch oder Eiern. Im Prozess werden Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung genutzt, zum Beispiel Biertreber oder Sojarückstände, die in der Region anfallen. Das Verfahren könnte mittelfristig die ressourcenintensive Tierhaltung durch die Gewinnung aus ohnehin vorhandenen pflanzlichen Reststoffen ersetzen, ohne die Qualität der produzierten Lebensmittel zu verringern.
Im weiteren Verlauf des Projekts wird geprüft, wie gut das Verfahren mit echten Reststoffen in Lebensmittelqualität funktioniert. Dafür werden moderne Analysemethoden eingesetzt, um genau zu verstehen, was den Prozess beeinflusst oder möglicherweise bremst. Das Verfahren baut auf bereits vorhandenen Laborergebnissen auf und wird im Projekt weiterentwickelt, sodass es mit unterschiedlichen Ausgangsstoffen und unter größeren Produktionsbedingungen (bis zu 1.000 Liter) funktioniert. Zum Schluss wird untersucht, wie umweltfreundlich das gesamte Verfahren ist, indem es mit anderen Methoden verglichen wird.
