Zukünfte denken lernen: Foresight-Weiterbildung als Hebel für Innovationsfähigkeit

Zukunft ist kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsfrage. Dafür braucht es allerdings „Futures Literacy“: Die Fähigkeit, unterschiedliche mögliche Zukünfte zu erkennen, kritisch zu reflektieren und für heutige Entscheidungen nutzbar zu machen. „Zukünfte“ im Plural verweist dabei auf alternative Entwicklungspfade, die je nach Annahmen, Trends und strategischen Weichenstellungen entstehen können.

Symbolbild für Zukunftsforschung: Glaskugel mit gespiegelter Landschaft als Metapher für neue Perspektiven durch Foresight-Methoden

AdobeStock/Polonio

Unser Wissen für andere nutzbar machen

Gerade für die Innovationsfähigkeit und Wertschöpfung in Unternehmen ist „Futures Literacy“ entscheidend. Mit unserem individuell anpassbaren, bedürfnisorientierten Ansatz für die Weiterbildung im Bereich Foresight („Vorausschau“) befähigen unsere Expertinnen und Experten des Instituts für Innovation und Technik (iit) der VDI/VDE-IT Organisationen dazu, die strategische Vorausschau wirksam zu verankern. Wir lehren Foresight als systematische, methodenbasierte Praxis, die in reale Fragestellungen eingebettet ist und sich an konkreten Herausforderungen orientiert. Unser Anspruch ist es, Organisationen zur eigenständigen Anwendung zu befähigen.

Unser Weiterbildungsangebot reicht von der Einführung in das Denken in Alternativen über Trend- und Szenarioarbeit bis hin zur Ableitung konkreter Handlungsoptionen für Innovations- und Wirtschaftspolitik. Wir kombinieren dabei qualitative Verfahren wie Szenarioanalysen und partizipative Formate mit quantitativen Methoden, etwa datenbasiertem Horizon Scanning. So lernen die Teilnehmenden, große Informationsmengen strukturiert auszuwerten, relevante Signale zu identifizieren und daraus robuste, strategische Optionen zu entwickeln. Foresight wird so zu einem kontinuierlichen Lern- und Entwicklungsprozess und am Ende zur Grundlage für fundierte, zukunftsgerichtete Entscheidungen.

Weiterbildung in der Praxis

Wie die Umsetzung gelingen kann, zeigt das Beispiel „Innovativ Thüringen“. Als Teil der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) verantwortet das zuständige Team die Regionale Innovationsstrategie im Freistaat, stärkt Clusterstrukturen und fördert die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Strategische Vorausschau ist in diesem Kontext kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Technologietrends frühzeitig zu erkennen, Innovationspotenziale zu erschließen und wirtschaftliche Entwicklung gezielt zu unterstützen. Unser Projektteam begleitet den Aufbau eines dauerhaften Foresight-Prozesses und stärkt zugleich die methodischen Kompetenzen des Teams. Aktuell setzt das Team vor Ort bereits die Technologievorausschau mit eigenem Datawarehouse um und scannt regelmäßig mehr als 190.000 Trenddatensätze. Im nächsten Schritt liegt der Fokus auf der Szenariomethode, um auch in diesem Bereich die Kompetenzen weiter zu festigen.

Foresight auf einen Blick

Transfer (Politikberatung)

Systematische Ableitung von Handlungsoptionen aus den entwickelten Zukunftsbildern. Überführung in anschlussfähige Formate zur Unterstützung strategischer Entscheidungsprozesse, z. B. Visual Roadmaps.

Antizipation (Qualitative Zukunftsanalyse)

Vertiefende Zukunftsanalyse der identifizierten Trends unter Anwendung von Methoden der strategischen Vorausschau und Zukunftsforschung. Entwicklung konsistenter Zukunftsbilder, die über lineare Trendfortschreibungen hinausgehen und Unsicherheiten systematisch adressieren.

Scoping (Wissenschaftliche Basis)

Formulierung einer klar abgegrenzten Foresight-Fragestellung als wissenschaftliche Leitgröße des Prozesses. Festlegung von Untersuchungsrahmen, Systemgrenzen und analytischen Kriterien.

Scanning (Quantitative Analyse mit (unserem) Datawarehouse)

Quantitative, datenbasierte Analyse des Themenfelds zur Identifikation relevanter Entwicklungen. Ableitung von Trends und schwachen Signalen auf Basis empirischer Evidenz.

Mona Hille

Projektleitung

Bei Foresight geht es darum, Zukünfte selbst zu denken und damit den eigenen Erfahrungsraum durch die Antizipation zukünftiger Möglichkeitsräume zu erweitern. In unserem Projekt mit der LEG Thüringen vermitteln wir unserem Kunden das Handwerkszeug zur Zukunftsanalyse und bauen parallel gemeinsam einen kontinuierlichen Foresight-Prozess auf.